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Kai Horstmann: Namibia - Eine Reise durch Traumwelten im Süden Afrikas

NaturFreunde Berlin

25.09.2026
19:00
Paretzer Str. 7, 10713 Berlin

Drei Wochen hat sich Kai Horstmann Urlaub gegönnt und machte eine Reise durch Namibia. Mit einfachsten Mittel erlebte Kai Horstmann fast täglich die Schönheiten des Landes und machte noch einen Abstecher nach Sambia.

 

Was Kai Horstmann dort erlebt hat und welche Bilder er zeigt, hat er in einem Zeitungsartikel niedergeschrieben:

 

 

 

Goldgeber Sand soweit das Auge reicht. Dieser glänzt ganz besonders im Abendlicht. Ruhe ist eingekehrt. Zwischen den Sanddünen und dem Atlantischen Ozean verläuft dicht am Ufer die Straße nach Walvis Bay. Ich selber habe mich in Swakopmund einquartiert -meiner ersten Station auf meiner dreiwöchigen Reise durch Namibia. Zwei Tage zuvor war ich in der Hauptstadt Windhoek gelandet.

Zu der Stimmung in den Dünen passt der Name meiner Unterkunft: Desert Sky Backpacker Lodge. Dort treffen sich viele verschiedene Menschen, die auf unterschiedlichste Weise in Namibia Urlaub machen. Da ist zum Beispiel Sonja aus Berlin, die hier in den Dünen Drachen fliegt. Aber vor allem beeindruckend sind die großen Geländewagen, die in einem Teilbereich des Innenhofes abgestellt werden.

Hier trifft man dann auch Leute wie Rainer, der mit seinem Mitsubishi Pajero in Namibia unterwegs ist. Im Desert Sky trifft man dagegen kaum Familien, sondern Individualreisende, so wie Martin. Der Österreicher durchreist wie ich mit Shuttlebussen und Sammeltaxis das Land. Hier stoße ich auf Gleichgesinnte, die bis tief in die Nacht im grünen Innenhof zusammensitzen und an so manchen Tagen Grillen.

In Swakopmund wird noch viel Deutsch gesprochen, denn früher hieß Namibia Deutsch-Südwestafrika. Der deutsche Einfluss ist auch noch an der schönen Architektur nicht zu übersehen. Die friedliche Stimmung in der Stadt und die Freunde auf Zeit im Desert Sky sowie dessen freundliche Vermieterin Betty machen mich leider leichtsinnig.

Es sollte nur ein Abendspaziergang sein, so wie ich es mit meinem Hund Luna auch in Deutschland mache. Gegen 20 Uhr gehe ich zum Bankautomaten, um Geld für den nächsten Tag abzuholen, da ein Ausflug mit dem Taxifahrer Jacob geplant ist. Unbemerkt schleicht sich ein Mann heran, erkennt, welche Pin ich eingebe. Dann werde ich beiseite gestoßen, weil kein Wachmann in der Nähe ist. Ein zweiter Täter ist zur Stelle und Sekunden später bin ich nicht nur meine EC-Karte los, sondern trotz Kartensperrung auch noch viel Geld von meinem Konto.

Zum Glück habe ich ja noch die Kreditkarte. So kann ich trotzdem mit Jacob aufbrechen, um an der berüchtigten Skelettküste entlangzufahren. Hier gibt es drei berühmte Schiffswracks und jede Menge Kreuze. Beim Wrack des Fischereischiffes Zelia, das kurz vor der Henties Bay gestrandet ist, gibt es sogar ein Skelett zu bestaunen. Dabei handelt es sich um keinen Menschen, sondern um ein Tier. Aber noch überwältigender ist die grandiose Wüstenlandschaft. Die Rückfahrt wird durch einen Nagel im Reifen erschwert. So lerne ich auch die Arbeitsweise einer Autowerkstatt in Henties kennen.

Das nächste Ziel lautet Sossusvlei. Das ist ein ganz besonderer Wüstenabschnitt vom Namib Naukluft Park mit einem Tal, in dem abgestorbene Bäume stehen. Dieses wurde durch die dort gemachten Bilder weltberühmt. Dadurch werden viele Reisende angelockt. Rainer rät mir, ich sollte unbedingt ein Zimmer vorbuchen, da die Zimmerpreise auch gerne 8.000 Namibische Dollar kosten, und somit über 400 Euro liegen können.

Jedoch bleibe ich meinem Motto treu, entschieden wird vor Ort, und habe Glück damit. An der Tankstelle kurz vor dem Eingang lerne ich eine junge Farbige kennen, die mir rät, auf dem Zeltplatz im Sossusvlei zu übernachten. Hier kostet die Nacht 420 Dollar. Weil ich kein Zelt habe, leiht sie mir eins für 270 Dollar. So komme ich mit knapp 40 Euro gut davon.

Am nächsten Morgen geht es früh um 5.45 Uhr mit dem Ranger los. Für Leute von außerhalb des Parks öffnet sich die Schranke erst eine Stunde später. Nachdem das Morgenlicht die Wüste ausstrahlt, mache auch ich Fotos von dem berühmten Tal. Anschließend lerne ich drei nette Herren in meinem Alter aus dem Schwarzwald kennen, die mit einem Lübecker Namibia durchreisen. Bis zum nächsten Morgen sind wir dann zu fünft.

Das Reiseglück ist mir weiter treu. Problemlos erreiche ich Lüderitz mit seinem Hafen. Diesen möchte das uckermärkische Energieunternehmen Enertrag für ein Wasserstoffprojekt nutzen. Doch noch ist da nicht all zu viel zu sehen, wie der Pressesprecher von Enertrag erklärt. „Es gibt derzeit lediglich Windmessmasten zu sehen und Messbojen vor der Küste bei Angra Point“, sagt Michael Rassinger.

Die eigentliche touristische Attraktion liegt mit Kolmanskop zwölf Kilometer weiter. Das ist eine ehemalige Goldgräbersiedlung, die aufgegeben wurde und nun versandet. Diese Geisterstadt hatte ich 2009 mit meinem inzwischen leider verstorbenen Freund Christoph besucht, den ich in einer Badewanne vor einem Haus fotografiert hatte.

Weil alles so gut klappt, wage ich dann doch den großen Sprung zu den Victoria Fällen. Manche streiten sich, ob die Fälle auf der Seite Sambias oder auf der von Simbabwe am schönsten seien. Wie bei der Tour mit Christoph ist zunächst das sambianische Livingstone mein Ziel. Ich übernachte sogar in der gleichen Unterkunft.

In diesen Tagen hat der Sambesi besonders viel Wasser, es ergeben sich reihenweise spektakuläre Bilder. Preislich bestehen beim Besuch des Parks zur Besichtigung der Wasserfälle erhebliche Preisunterschiede. So zahlte ich in Sambia rund 28 Euro an Eintritt. Simbabwe dagegen fordert schon allein für ein Visum 30 Euro. Dazu käme ein Eintritt in den Park in Höhe von 50 Euro hinzu, was ich dann ablehne.

Mein größter Wunsch jedoch zerplatzt recht schnell. Ich möchte aus einem offenen Leichtflugzeug die Victoria Fälle fotografieren. Das kostet eine Viertelstunde Fliegen rund 200 Euro. Fliegen ja, fotografieren nein, heißt es. Weil ich keine Fotos durch die Scheibe eines Hubschraubers mache möchte, wird auch der Flug abgesagt. Dafür waren die Bilder von der Brücke über den Sambesi zwischen den beiden Ländern umso schöner.

Zuletzt gibt es noch ein journalistisches Abenteuer in Tsumeb. Dort gibt es eine Kupfermine mit einem Schmelzwerk. Hier wird die Verarbeitung von hochgiftigem Kupfererz aus Bulgarien aufgrund seines sehr hohen Arsenanteils kritisiert. Allein Rainer und die Umweltaktivistin Bertchen Kohrsfordern mich mehrmals auf, hierüber zu berichten. „Das gefährliche an der Anlage ist der arsenhaltige Staub“, erklärt Bertchen Kohrs. „Es sind schon sehr viele Arbeiter, aber auch Bewohner von Tsumeb an dem giftigen Arsen erkrankt.“ Einige der Arbeiter erzählten ihr, dass Kollegen bereits infolge der Arsenbelastung gestorben sind.

Mit einem jungen Taxifahrer fahre ich zum Werk. Dort bekommt er gleich Angst, als ich anfange, zu fotografieren. „That is very political“, sagt dieser zu mir. Darauf versuche ich, ihn zu beruhigen. Er wartet dann lieber auf dem Parkplatz auf mich.

Auf der Rückfahrt kommen wir an einer großen schwarzen Fläche vorbei, wo Schlacke alles Grün vernichtete. Von einem Hügel aus möchte ich Fotos machen, während der Fahrer unten auf mich warten soll. Um nicht über die Schlacke zu laufen, wähle ich den Weg durch die „Natur“. Doch der Hügel ist durch einen breiten Dornenbuschstreifen geschützt. Etwas zerkratzt komme ich trotzdem oben an und mache meine Bilder.

Als ich dann über den Rand der Schlacke zurückkehre, ist der Taxifahrer nicht mehr da. Zum Glück nimmt  mich gleich ein Fahrer mit nach Tsumeb. Wie der Taxifahrer mir am nächsten Tag erklärt, wurde er von einem Wachmann fortgejagt.

Den letzten Tag verbringe ich mit einem Einkaufsbummel. Wie auf jeder Reise hatte ich meine alten Klamotten getragen und dann an arme Menschen verschenkt. Nun musste der Bestand an T-Shirts aufgefüllt werden. Am Abend verabschiedet sich Namibia auf dem Flughafen mit einem grandiosen Abendhimmel. Ach wie gerne wäre ich doch noch etwas länger geblieben.

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