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Grünen-Minister Vogel auf dem Holzweg

Drastischer Stellenabbau im Landesbetrieb Forst geplant – ein vollkommen falsches Signal in Anbetracht des katastrophalen Waldzustandes.

Umweltminister Vogel plant die derzeitig 30 Oberförstereien zu sechs Forstämtern zusammenzulegen. Die Hoheitsreviere sollen um 33 reduziert werden. 208 Stellen sollen abgebaut werden. Die 14 Landeswaldoberförstereien (zuständig für die Bewirtschaftung des Landeswaldes) sollen indes erhalten bleiben.

Die Oberförstereien sind zuständig für hoheitliche und gemeinwohlorientierte Aufgaben im gesamten Wald Brandenburgs. Sie haben auch die Aufgabe, Waldbesitzer bei der Bewirtschaftung ihres Waldes durch kompetenten Rat und Anleitung zur Seite zu stehen. Hinzu kommen Tätigkeiten des Waldschutzes (Ordnungsbehörde), der Waldbrandüberwachung und nicht zuletzt Tätigkeiten der waldbezogenen Bildungs- und Erziehungsarbeit.

Rund 68 % der Waldfläche in Brandenburg ist in Besitz von privaten Waldeigentümern, Gemeinden, kommunalen Stiftungen und Städten. Hier leisten die Oberförstereien eine wichtige Aufgabe in der Beratung. Schon jetzt kommen sie dieser Tätigkeit offensichtlich nicht in dem Maße nach, wie es angesichts des dramatisch schlechten Waldzustandes notwendig wäre. Bis heute ist überall im Land Brandenburg zu beobachten, wie weiterhin Monokulturen und Baumplantagen gepflanzt werden.

Im Vergleich geringe 26 % der Wälder sind im Eigentum des Landes Brandenburg und werden von den Landeswaldoberförstereien (die nicht von den Kürzungen betroffen sind) bewirtschaftet. Diese machen Jahr für Jahr ein finanzielles Defizit – vor allem wegen des gesunkenen Holzmarktpreise. Die Bewirtschaftung des Landeswaldes sei damit „nicht kostendeckend“, heißt es in einem Gutachten aus dem Hause des Ministers Vogel.


Wirtschaftlichkeit im Fokus und nicht das Gemeinwohl

Hier wird ersichtlich, dass es dem Grünen-Minister Vogel vordergründig nicht um einen notwendigen Waldumbau zu naturnahen, widerstandsfähigeren und klimaresilienten Wäldern geht. Der Fokus scheint einzig auf höheren Holzerträgen zu liegen.


Das ist das vollkommen falsche Signal zur falschen Zeit und offenbart die Scheinheiligkeit grüner Umweltpolitik. 

Mit weniger Oberförstereien und Revieren wird die Forstverwaltung für den Bürger schwerer erreichbar. Die Beratung vor Ort wird angesichts des dramatisch schlechten Zustandes der Wälder aber gerade jetzt gebraucht – für Fragen des Waldumbaus und der Schädlingsbekämpfung.

Etwa 40 % Brandenburgs sind mit Wald bedeckt. 70 % davon sind monotone Kiefernforsten. Solche Monokulturen sind anfälliger für die Massenvermehrung von Schädlingen und für Waldbrände. Der Umbau zu naturnahen, artenreichen Mischwäldern muss wesentlich stärker als bisher vorangetrieben werden.


Wald ist mehr als ein Wirtschaftsfaktor

Er ist Lebensraum für zahllose Lebewesen, Schutzschild gegen Naturgefahren, CO2-Speicher, Erholungsort und auch Rohstofflieferant, letzteres aber eben nicht vorrangig.  Nicht nur die letzten Dürrejahre zeigen eindrücklich die Notwendigkeit eines Waldumbaus hin zu naturnahen, stabileren und widerstandsfähigeren Wäldern. Eine vorrangig auf wirtschaftliche Erträge ausgerichtete Forstwirtschaft wird das Ziel des notwendigen Waldumbaus verfehlen.


In den landeseigenen Wäldern werden angesichts der hauptsächlich auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Forstwirtschaft:

  • …Forststraßen weiter ausgebaut.

    Diese Verschotterung der Waldwege hat schwerwiegende Auswirkungen auf Flora und Fauna, darunter vieler besonders geschützter Arten und beeinträchtigt das Ökosystem Wald stark.
  • …vorrangig schwere Holzerntefahrzeuge (Harvester) eingesetzt.

    Die im Abstand von 20m verlaufenden Rückegassen, die mit derartigen Harvestern befahren werden, verdichten Waldböden zunehmend und der Stoffkreislauf der Böden wird dadurch erheblich beeinträchtigt. Ein gesunder Waldboden mit vielen luft- und wasserführenden Hohlräumen ist Basis für biologische Vielfalt, wichtige Stoffumsatzprozesse und Wasserhalt im Wald.
  •  …Totalinsektizide seitens der Landesforst weiterhin nicht ausgeschlossen und vernichten massiv Insekten jeglicher Art in den Wäldern.

    Wir erinnern uns: Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte aufgrund einer Klage des NABU durch einen Sofortbeschluss entschieden, dass die Ausbringung eines Totalinsektizids eingestellt werden musste. Die Begiftung der Wälder in den Ortslagen von Fichtenwalde, sowie Teilen von Borkheide und Borkwalde auf einer Fläche von 2.500 Hektar konnte dadurch verhindert werden. Die Landesregierung musste anschließend eingestehen, dass in den Kiefernbeständen, die nicht im Jahr 2019 mit dem Totalinsektizid „Karate Forst flüssig“ behandelt wurden, nur zwischen 10 und 30 Prozent Nadelverluste durch Raupenfraß zu verzeichnen waren. Zuvor hieß es, dass ohne die Ausbringung des Totalinsektizid eine „ökologische Katastrophe“ drohe. Es sei mit einem Totalverlust der Wälder zu rechnen.
  • …weiterhin „Waldplantagen" in Form von Monokulturen gepflanzt.

    Nirgends in Deutschland stehen so viele Kiefern wie in Brandenburg. Auf 70 % der Waldfläche wächst die Baumart Kiefer. Derzeit ist ein geringer Teil, etwa 13 % der Wälder in Brandenburg naturnah in ihrer Baumartenzusammensetzung. Knapp 40 % der Wälder sind als kulturbetont und kulturbestimmt eingestuft. Der Waldumbau in naturnähere Wälder ist zwingend erforderlich. Die Beratung von Waldeigentümern ist hierbei ein wesentlicher Faktor. Aber genau diese Beratungsfunktion wird durch die massiven Personalstreichungen bei den Oberförstereien geschwächt. 

All das passt nicht zusammen und ist geradezu grotesk widersprüchlich!


Forderungen der ÖDP Brandenburg

Dem Grundverständnis der ÖDP folgend fordern wir alle Akteure auf, sich vor allem der Ursache der Probleme zu stellen – das Problem bei der Wurzel zu packen. Die Ursache liegt in einer einzig auf Profit ausgerichteten Wirtschaft. Auch im Bereich der Forstwirtschaft.

Alle Maßnahmen sind darauf auszurichten, klimastabile Wälder zu fördern. Die Beratung der überwiegend privaten Waldbesitzer stellt hierbei einen ganz wesentlichen Baustein dar. Dazu braucht es in der Fläche vertretende und personell zu stärkende Oberförstereien. Was heute teuer erscheint, wird sich morgen und übermorgen als sinnvolle Investition in unsere Lebensgrundlagen auszahlen.

Pressekontakt:
Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), Landesverband Brandenburg

–Landespressestelle–
Gartenstraße 2
16798 Fürstenberg

E-Mail:
presseoedp-brandenburg.de
Internet: www.oedp-brandenburg.de
Ansprechpartner: Thomas Löb – thomas.loeboedp.de; Norman Heß norman.hessoedp.de
V.i.S.d.P.: Norman Heß (stellv. Vorsitzender ÖDP Brandenburg)

Fotos - Aufforstungen Kiefernmonokulturen: © ÖDP Brandenburg
Hinweis: Medien können dieses Bild bei einer Berichterstattung über die ÖDP kostenlos nutzen. Sollte die Berichterstattung keinen ÖDP-Bezug haben, ist eine Veröffentlichung honorarpflichtig, da das Bild urheberrechtlich geschützt ist. Die ÖDP leitet etwaige Anfragen an den entsprechenden Fotografen weiter.


Monokulturen von vorgestern, gestern und heute in Brandenburg ─ Das ist das Gegenteil von naturnahen und klimastabilen Wäldern.


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