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Stellungnahme der ÖDP Brandenburg zur Änderung des Bundesjagdgesetzes

(Fürstenberg/Havel) Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat einen Entwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) vorgelegt. Die Bundesregierung beabsichtigt mit dem Gesetz u.a. einen tragfähigen Ausgleich zwischen Wald und Wild erreichen zu wollen und die Ergebnisse des Waldgipfels – zur Rettung der Wälder - umzusetzen. Dies sind jedoch aus unserer Sicht Nebelkerzen der Bundesregierung zur Ablenkung von eigentlichen Ursachen.

Jagd – ökologisch und an ethischen Prinzipien ausgerichtet
Die ÖDP bekennt sich ausdrücklich zu einer naturverträglichen Jagd als eine legitime Form der Landnutzung, wenn sie den Kriterien der Nachhaltigkeit entspricht und sich an ethischen Prinzipien ausrichtet. So muss das erlegte Tier sinnvoll genutzt werden, die bejagte Art darf in ihrem Bestand nicht gefährdet sein und zum alleinigen Zweck der Jagd nicht aktiv gefördert werden. Die Jagd ist im Rahmen des Nachhaltigkeitsgrundsatzes die legitime Nutzung von Wildtieren. Verantwortungsvolle Jagd setzt den tierschutzrechtlichen Grundsatz um, dass Wildtieren keine unnötigen Störungen zugemutet oder Schmerzen zugefügt werden und sie nur bei Vorliegen eines vernünftigen Grundes getötet werden dürfen. Vernünftige Gründe im Sinne des Tierschutzgesetzes für die Bejagung sind:

• eine sinnvolle Verwertung (Fleisch, Fell)
• die Verhütung/Bekämpfung von Tierseuchen
• die Vermeidung von Beeinträchtigungen der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie des Naturhaushaltes und der Landeskultur

Das Töten von Tieren, ohne sie sinnvoll zu nutzen, widerspricht dem Grundverständnis einer ökologischen, ethisch verantwortungsvollen Jagd. Die Erlegung nur der Trophäe willen oder das sinnlose Töten zum Ausschalten vermeintlicher Nahrungskonkurrenten (z.B. Fuchs) verbietet sich. Die Jagd ist notwendig, um die Schäden der Wildtiere an Wiesen, Feldern und Wäldern zu begrenzen und stellt mit der Gewinnung eines hochwertigen Lebensmittels die Nutzung unserer natürlichen Ressourcen dar. Ohne Jagd ist eine anzustrebende ökologisch-, biologische Landwirtschaft genauso wenig möglich, wie ein Waldumbau hinzu naturnäheren und widerstandsfähigeren Wäldern.

Mehr als „Bio" – heimisches Wildfleisch gesund und regional gewonnen
Jäger liefern zudem hochwertiges Wildfleisch, welches bei einer an ethischen Grundsätzen orientierten Jagdausübung gegenüber konventionellen Tierhaltungsformen / konventioneller Fleischproduktion überlegen ist. Wildbret stammt von stressfrei aufgewachsenen Tieren, die in natürlicher Umwelt gelebt und sich aus der Natur ernährt haben, ohne künstliche Zugabe von Medikamenten und Hormonen. Da Wildfleisch im Rahmen der Jagd gewonnen und nicht eigens dafür produziert wird, wird kein Tropfen Wasser für die Futtermittelproduktion verbraucht und es gibt keine riesigen Produktionsstätten, deren Methan-Abgase zur Klimaerwärmung beitragen. Der regionale Vertrieb verhindert zudem weite Transportwege mit all seinen negativen Nebeneffekten. Artgerechter als freilebend geht nicht. Wildfleisch ist also mehr als Bio.

Das von der Bundesministerin benannte Zweck durch die Jagdgesetzänderung dem Ansinnen des Waldgipfels nachzukommen wird mit dem vorliegenden Entwurf des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) verfehlt. Der Entwurf enthält zwar richtige und wichtige Änderungen, lenkt jedoch von der eigentlichen Ursache für instabile Wälder ab, dem menschengemachten Klimawandel!
Augenscheinlich versucht die Bundesregierung sich weiterhin aus der Verantwortung zu stehlen und durch Maßnahmen zur Bekämpfung von Symptomen von der eigentlichen Ursache abzulenken. Die Änderung des Jagdgesetzes ist hierbei nur ein Kleinstbaustein. In den Bereichen wie der Umsetzung einer längst bewährten Jagd mit bleifreier Büchsenmunition und dem Verbot der alleinig auf Trophäen ausgerichteten Jagd greift die Gesetzesnovelle viel zu kurz. Neben den zwingend erforderlichen konsequenten Klimaschutzmaßnahmen ist eine Neuausrichtung der Forst- und Landwirtschaft erforderlich und liegt im Verantwortungsbereich der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft.

Lebensräume wildlebender Tiere werden zunehmend zerstört
Der Flächenfraß ist eines der ungelösten ökologischen Probleme unserer Zeit.
Flächenfraß:
• vernichtet / versiegelt natürliche Böden.
• zerstört unsere Kulturlandschaft.
• verarmt und zerstört Lebensräume wildlebender Tiere und gefährdet die Artenvielfalt.
• verringert den Klimaschutz durch den Ausfall des Bodens als Speicher von Klimagasen.
• verschärft die Gefahren von Hochwasser und Starkregen.

Forstwirtschaft
Waldbauliche Fehler vergangener Jahrzehnte in Bezug auf „Waldplantagen" und Monokulturen zeigen nun ganz offen die uns alle gefährdenden Auswirkungen. Aber auch heute sind wir weit davon entfernt naturnahe, stabile und widerstandsfähige Wälder zu fördern. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit werden Waldwege massiv ausgebaut. Die ganzjährige Befahrbarkeit der Hauptwege im Wald möglichst bei jeder Witterung soll vielerorts erreicht werden. Auf geschotterten Forstwegen sollen von Holztransportern mit einem Gesamtgewicht von 44 t und einer Geschwindigkeit bis zu 40 km/Std. befahren werden können. Parallel dazu entwickelten sich die Holzerntefahrzeuge (Harvester) in den letzten Jahren immer mehr in Richtung »noch größer, noch schwerer, noch leistungsstärker«. Die zum Einsatz der Harvester notwendigen Rückegassen mehren sich. Dadurch werden Waldböden zunehmend verdichtet und der Stoffkreislauf der Böden erheblich beeinträchtigt. Ein gesunder Waldboden mit vielen luft- und wasserführenden Hohlräumen ist die Basis für biologische Vielfalt im Wald. Vertreter der ForstWIRTSCHAFT weisen diese Verantwortung jedoch von sich und scheinen einzig mit dem wiederkäuenden Schalenwild (wie Reh-, Rot- und Damwild) den Verursacher der Waldproblematik ausgemacht zu haben.

Wald ist mehr als die Summe der Bäume!
Wald ist Lebensraum für zahllose Lebewesen, Schutzschild gegen Naturgefahren, Rohstofflieferant, CO2 Speicher und Erholungsort. Nicht nur die Dürrejahre 2018, 2019 und 2020 zeigen eindrücklich die Notwendigkeit eines Waldumbaus hin zu naturnäheren, stabileren und widerstandsfähigeren Wäldern. Eine vorrangig auf wirtschaftliche Erträge ausgerichtete Forstwirtschaft wird das Ziel des Waldumbaus verfehlen.

Landwirtschaft ist kein Industriezweig!
Landwirtschaft wiederum ist die Basis unserer Ernährung und damit unseres Lebens überhaupt. Sie wurde von einer bäuerlichen Kreislaufwirtschaft zu einer industriellen Rohstoff-„Produktion“ für Nahrungsmittelindustrie und Energieerzeugung umgebaut. Die Subventions-, Freihandels- und Wettbewerbspolitik der EU ließ den Landwirten kaum eine Wahl und hat sie immer mehr von Subventionen, von der chemischen Industrie sowie von Öl- und Futtermitteleinfuhren abhängig gemacht. Davon profitieren vor allem große, intensiv wirtschaftende Betriebe. Kleinere Familienbetriebe bleiben oft auf der Strecke. Dadurch werden die landwirtschaftlichen Flächen weiterhin und zunehmend von strukturarmen, großflächigen Monokulturen geprägt. Eine derartige Landschaftsstruktur gepaart mit Pestizideinsätzen trägt im erheblichen Maße zum Artensterben und der Verdrängung wildlebender Tiere bei.

Forderungen der ÖDP Brandenburg
Dem Grundverständnis der ÖDP folgend fordern wir alle staatlichen Akteure auf, sich vor allem der Ursache der Probleme zu stellen – das Problem bei der Wurzel zu packen. Die Ursache liegt in einer einzig auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaft. Auch im Bereich der Land- und Forstwirtschaft. Das Bundesjagdgesetz versucht in der vorliegenden Form zwar einzelne Symptome aber nicht die eigentliche Ursache anzugehen.

 

Pressekontakt:
Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP), Landesverband Brandenburg

E-Mail: presseoedp-brandenburg.de
Internet: www.oedp-brandenburg.de
Ansprechpartner: norman.hess@oedp.de (ÖDP-Landesarbeitskreis ÖLS)
V.i.S.d.P.: André Richter (ÖDP-Landesarbeitskreis ÖLS)


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